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'Es wurde zur Qual'

Sebastian Deisler beendet seine Karriere

16.01.2007

Sebastian Deisler kam als erster in den Presseraum an der Säbener Straße, der trotz der erst knapp eine Stunde zuvor angekündigten Pressekonferenz proppevoll war. Kurz hinter ihm folgte Manager Uli Hoeneß, dann kam Mediendirektor Markus Hörwick. Es war mucksmäuschenruhig im Raum, nur ein paar Blitzlichter der Fotographen mischten sich in die Stille.

„Kein angenehmer Anlass“, so Hoeneß, der als erster das Wort ergriff, habe alle Anwesenden zusammengeführt, um gleich im nächsten Satz die Schocknachricht zu verkünden: „Sebastian Deisler will seine Fußball-Karriere beenden.“ Einer der talentiertesten deutschen Fußballer überhaupt wird wahrscheinlich nie mehr in einem Bundesligastadion zu sehen sein. Mit gerade mal 27 Jahren hängt Deisler seine Fußballschuhe an den Nagel. Fassunsglosigkeit machte sich breit.

Deisler überrascht alle

„Das ist keine Entscheidung, die von heute auf morgen gefallen ist. Sie ist in mir gereift“, sagte Deisler wenig später. Schon im letzten März, als er sich wegen eines Knorpelschadens zum fünften Mal am Knie operieren lassen musste, habe er sich mit Rücktrittsgedanken beschäftigt. „Aber ich habe es noch mal versucht. Ich wollte es noch mal wissen.“ Deisler feierte im November ein erfolgreiches Comeback, wurde beim 2:1-Sieg in Hamburg sogar zum Matchwinner, umso überraschender kam für alle dieser Schritt zum jetzigen Zeitpunkt.

Doch wie Hoeneß berichtete, habe er nur mit viel Überredungskunst überhaupt erreicht, dass Deisler das Trainingslager in Dubai zu Ende brachte. „Wir haben um ihn gekämpft.“ Am Montagabend teilte Deisler ihm aber in einem persönlichen Gespräch seinen endgültigen Entschluss mit. „Ich habe kein richtiges Vertrauen mehr in mein Knie“, begründete Deisler diesen Schritt. „Ich habe nicht mehr mit der richtigen Freude Fußball gespielt. Es wurde zur Qual.“

Für Hoeneß ein Super-GAU

Deisler, der sich neben zahlreichen Verletzungen (Deislers Krankenakte) zudem im November 2003 und im Oktober 2004 stationär wegen Depressionen behandeln ließ, zog für sich einen Schlussstrich unter eine lange Leidenszeit. „Ich habe ständig daran gedacht, dass wieder etwas passieren könnte. Ich war nicht mehr völlig frei. Und nur noch ein bisschen mitspielen, wollte ich nicht und macht auch keinen Sinn. Halbe Sachen bringen mir und der Mannschaft nichts.“ Der 36-malige Nationalspieler möchte nun Abstand gewinnen und zur Ruhe kommen. „Ich möchte mich um meine kleine Familie kümmern. Dann schauen wir mal, wie sich die Sache weiter entwickelt.“

Hoeneß bedauerte Deislers Entscheidung zutiefst. „Er ist einer der besten Spieler, die es in Deutschland je gegeben hat. Ich habe bis zuletzt gehofft, dass das alles ein Albtraum ist.“ Bei den Personalplanungen für die kommende Saison habe er vieles von Deislers weiterer Entwicklung abhängig machen wollen. „Wir wollten ihm einen Platz freihalten.“ Doch jetzt sei der „Super-GAU“ eingetreten. „Davon muss ich mich erst mal erholen.“ Selten zuvor hat man den Bayern-Manager so mitgenommen gesehen.

Deislers Vertrag ruht

Deisler indes gab zu, nun eine gewisse Befreiung zu verspüren. „Ich bin glücklich über die Entwicklung.“ Deisler und der FC Bayern vereinbarten, den noch bis 2009 laufenden Vertrag nicht aufzulösen, sondern ruhen zu lassen. „Sollte er sich irgendwann entscheiden, seinen Entschluss rückgängig zu machen, dann hat er die Option, zu uns zurück zu kommen. Und nur er hat die Möglichkeit dazu“, so Hoeneß, der von einem „Anker“ für Deisler sprach.

Die Hoffnung aber, dass Deisler noch mal für den Rekordmeister auflaufen wird, hat der Bayern-Manager nicht. „Wir müssen davon ausgehen, dass er aufhört, Fußball zu spielen. Das ist Fakt.“ Deisler hatte bei diesen Worten das Vereinsgelände des FC Bayern an der Säbener Straße bereits verlassen.

Für fcbayern.de berichtet: Dirk Hauser

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