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Neues Talent fürs junior team

Über den Partnerklub zum 'Traumverein'

03.03.2006

Von Gerhard Schröder, dem früheren Bundeskanzler, weiß man, dass er schon Jahre vor seiner Wahl den späteren Arbeitsplatz besucht hat. „Ich will hier rein“, soll Schröder gerufen haben, als er eines Nachts vor dem Kanzleramt stand. Hannes Ganghofer, hochbegabter U-15-Nationalspieler aus dem oberbayerischen Töging (Landkreis Altötting), hatte ein ähnlich prägendes Erlebnis - und auch er hat sich seinen Traum erfüllt.

Mit acht Jahren kam Hannes zum ersten Mal an die Säbener Straße, der FC Bayern hatte ihn zu den Talenttagen eingeladen. Als Hannes am Jugendhaus des Deutschen Rekordmeisters vorbeiging, packte er seinen Vater am Arm: „Schau, Papa, da drin werde ich später einmal wohnen“.

Von Töging via Rosenheim nach München

Gesagt, getan: Im Sommer 2006 wird Ganghofer von seinem jetzigen Verein, dem TSV 1860 Rosenheim, zu den Bayern wechseln. Der künftige B-Junior soll zunächst in der U 16 von Trainer Björn Andersson spielen. Der Sprung nach München bedeutet den vorläufigen Höhepunkt eines rasanten Aufstiegs. Über Töging, seinen Heimatverein, und 1860 Rosenheim, einen von zehn offiziellen Partnerklubs des FC Bayern, hat es der 15-jährige Blondschopf in diverse Auswahlmannschaften der Verbände geschafft. Wo immer er auftauchte, begeisterte er seine Trainer.

Die logische Folge: Hannes (Jahrgang 1991) gehört inzwischen fest zu einem engen Kreis ausgesuchter Toptalente, aus denen der DFB seine neue U-15-Nationalmannschaft bilden wird. Der Name Ganghofer stand zuletzt dick angestrichen in sämtlichen Notizblöcken bekannter deutscher Profiklubs: von Dortmund bis Stuttgart, von Hamburg bis Duisburg, von Greuther Fürth bis Hertha BSC Berlin. Für den Umworbenen gab es aber nie einen Zweifel: „Ich war immer schon Bayern-Fan“, sagt er, „und es war klar: Wenn sie mir ein Angebot machen, dann gehe ich dort hin“.

Rosenheim als optimaler Zwischenschritt

Für den Wechsel zu seinem Lieblingsverein hat Hannes geduldig auf den richtigen Moment gewartet. Nach den ersten Probetrainings in München empfahlen die Jugendtrainer der Bayern, dass der junge Töginger sich zunächst bei einem anderen höherklassigen Klub weiterentwickeln solle. Als „optimaler Zwischenschritt“, sagt FCB-Koordinator Udo Bassemir, bot sich einer der regionalen Partnerklubs des Deutschen Meisters, 1860 Rosenheim an. Dort kam Ganghofer vor zwei Jahren als junger Jahrgang direkt in die C1, die in der höchsten Klasse (Bezirksoberliga) eine glänzende Saison spielte.

„Das war ein riesengroßer Sprung für mich“, sagt Hannes im Rückblick - und es lohnte sich: Taktisch und körperlich passte er sich schnell den höheren Anforderungen an. Rosenheims U 15-Trainer Ingomar Weiß erkannte sofort, welch außergewöhnliches Talent er verpflichtet hatte: „Er kümmert sich sehr intensiv um mich“, lobt Ganghofer seinen Coach, zur guten Betreuung gehört auch regelmäßiges individuelles Üben außerhalb des Mannschaftstrainings - zum Beispiel, um Hannes Kopfballtechnik zu verbessern.

50.000 Kilometer bis zum Ziel

Vor zwei Jahren, sagen die Eltern, wäre ein Wechsel nach München für den familienbezogenen Hannes „zu früh gekommen“. Und obwohl die Eltern bis heute schon fast 50.000 Kilometer verfahren haben, um die Fußballkarriere ihres Sohnes zu fördern, wäre es „unmöglich gewesen“, sagt Vater Ludwig, Hannes mehrmals pro Woche mit dem Auto nach München zu chauffieren. Die zwei Jahre in Rosenheim, wo Hannes ebenfalls auf hohem Niveau und unter guter fachlicher Anleitung dazulernen konnte, waren deshalb ideal. „Jungs wie Hannes zeigen, dass unser Konzept mit den Kooperationspartnern richtig ist. Ich bin überzeugt, er macht beim FC Bayern seinen Weg“, freut sich Udo Bassemir.

Im Sommer aber ist es nun so weit: Ganghofer wird ins Jugendinternat der Bayern ziehen. Sein Zimmer - die Nummer 8 - hat er sich schon ausgesucht. Und Hannes ist überzeugt, auch im neuen professionellen Umfeld gut zurecht zu kommen. Seine Auswahltrainer schätzen besonders, dass Hannes ein echter „Leader“ ist, wie Fußballer sagen: einer, der sich nicht versteckt, sondern schon in jungen Jahren Verantwortung übernimmt, der ein Spiel lesen kann, seine Mitspieler führt und auf dem Platz wichtige Anweisungen gibt. In Rosenheim hat er gelernt, einen modernen Innenverteidiger in der Viererkette zu spielen.

Lucio als großes Vorbild

Sein großes Vorbild ist der Brasilianer Lucio: Auch als Verteidiger technisch sauber spielen, laufstark sein, Lücken erkennen und sich kraftvoll in die Angriffe mit einschalten - mit solchen Qualitäten will auch Hannes überzeugen. Und er weiß, wie wichtig Teamgeist im Fußball ist und dass man „nur gemeinsam Erfolg haben kann“. Starallüren sind ihm deshalb fremd, überall wo er spielt - egal ob Verein oder Auswahlteam - versucht er, mit seinen Teamkollegen eine gute Gemeinschaft aufzubauen.

Bodenständig, wie Hannes erzogen ist, pflegt er bis heute engen Kontakt mit seinen Freunden und früheren Vereinskameraden aus Töging. „Die sind stolz auf mich und fragen immer, wie es läuft“, erzählt er. Auch wenn die Zeit knapp ist, versucht Hannes möglichst viel mit ihnen zu unternehmen. Neid spürt er dabei „überhaupt nicht“, im Gegenteil: „Die freuen sich immer, wenn ich komme“. Wenn es die Zeit erlaubt, darf Hannes auch bei der 1. Herrenmannschaft in Töging mittrainieren. Acht Jahre hat er in der Jugend in seinem Heimatort gekickt. Vater Ludwig legt deshalb großen Wert auf die Feststellung, dass „auch hier in Töging viel geleistet worden ist für die Karriere von Hannes“.

Solide Schulausbildung gehört dazu

Sehr wichtig soll auch in Zukunft eine solide Schulausbildung sein. In München wird der 15-Jährige, wie bisher in Altötting, die Realschule besuchen, auf Anraten von junior team-Leiter Werner Kern sollen danach 2 Jahre FOS (mit Fachabitur) folgen. Für den Schritt in die Selbständigkeit hat der Hobby-Snowboarder bereits ein Kochbuch geschenkt bekommen - von der Freundin seines Bruders. Hannes glaubt, er sei inzwischen reif genug, um erstmals von zu Hause wegzugehen. „Ich glaube nicht, dass ich Heimweh kriegen werde“.

Zum Reifeprozess beigetragen haben in den letzten Monaten auch die zahlreichen DFB-Lehrgänge. Im August 2005 wurde Ganghofer ins Feriencamp nach Bad Blankenburg eingeladen, es folgte ein Wochenende in Ruit bei Stuttgart. „Da habe ich mich gut präsentiert“, ist Hannes überzeugt. Und es kann nicht anders sein. Denn für Ende Februar hat ihn DFB-Trainer Jörg Daniel erneut zu einer Sichtung in die Sportschule Steinbach bestellt. Ganghofers großes Ziel ist das B2-Jugend-Schülerlager im Juli in Duisburg-Wedau: Für dieses Turnier wird bei den nächsten Lehrgängen eine neue U15-Nationalmannschaft zusammengestellt - und natürlich hofft Hannes, bei diesen Besten am Ende dabei zu sein.

Bislang Bilderbuch-Förderung

Es wäre der krönende Schlusspunkt einer Bilderbuch-Förderung: Über den lokalen DFB-Stützpunkt Waldkraiburg (ab 2002) kam Hannes zur Bezirksauswahl (2003), zur südbayerischen Regionalauswahl (2004) - und schließlich in den Förderkader der U15-Bayernauswahl (2005). Mit Dominik Wimmer, dem Sohn von DFB-Koordinator Peter Wimmer, ist noch ein zweiter Rosenheimer C-Junior im DFB-Kader mit dabei.

„Mir war schon als Kind klar: Ich will Profi und Nationalspieler werden“, sagt Hannes. Mit drei Jahren bekam er vom Opa die ersten Fußballschuhe geschenkt - und vom Onkel das erste Deutschland-Trikot. Inzwischen hat Papa Ludwig einen dicken Ordner voller Urkunden, Fotos und Zeitungsberichten über seinen erfolgreichen Sohn gesammelt. Einen Ehrenplatz im Wohnzimmer hat ein ganz besonderes Bild: Der kleine Hannes, neben Chefscout Wolfgang Dremmler, bei seinem ersten Talenttag in München. Dem Tag, an dem er sich entschied, später einmal beim FC Bayern Fußball zu spielen.

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